E-Book als Marketing- und Vertriebstool – lohnt es sich?

Lohnt sich ein E-Book als Marketing- bzw. Vertriebstool? Ich habe ein E-Books mit inzwischen knapp 5.500 Downloads (Stand Oktober 2015) veröffentlicht. Für mich hat es sich definitiv gelohnt. Aber um die Frage zu beantworten: Es kommt darauf an, was man damit erreichen will. Und das sollte man sich gründlich und vor allem vorher überlegen.

Wichtige Fragen, die man sich in diesem Zusammenhang stellen sollte, sind:

  • Was ist das Ziel (Bekanntheit steigern, Geld verdienen, Kunden gewinnen etc.)?
  • Wie viel Zeit will ich investieren?
  • Bis wann soll es fertig sein?
  • Wie möchte ich das E-Book promoten?

Die Frage, ob epub, PDF bzw. auf welcher Plattform veröffentlichen (z. B. Amazon, iTunes), lasse ich außen vor. Damit habe ich mich nicht ausreichend beschäftigt. Gerrit von Aaken hat zum Thema Format einen sehr lesenswerten Blogartikel geschrieben.

Es sollte natürlich mit dem zu tun haben, was man anbietet und ein Thema sein, das Kunden interessiert. Das können beispielsweise Checklisten, How-Tos, Tipps, Best Practices, Sammlung von Artikeln zu einem Thema, Zusammenfassung von Studien sein. „Der Arme Poet“ basiert auf einem Vortrag, den ich gehalten habe.

Welcher Titel?

Zum Thema Titel heißt es in „The Wealthy Freelancer“:
"Don’t worry about being clever. Your title doesn’t have to be particularly creative to be compelling. In fact, the best buzz piece titles are often simple."
Beispiele:

  • „The 19 New Rules of Social Media Copywriting“.
  • „Die zehn häufigsten Fehler bei ...“
  • „7 Tipps, um ...“
  • „Wie erhöhe/verbessere/reduziere/optimiere ich ABC in X Schritten“
  • „11 einfache Ideen, um ...“

Buzz Piece – nicht nur an E-Books denken

Wer nicht so gerne schreibt, oder wem das zu lange dauert, kann überlegen, ob er einen Podcast macht, ein Video veröffentlicht oder eine Webinar-Aufzeichnung auf seiner Webseite als Download bereitstellt. Weitere Ideen können Tipps zur Optimierung/Verbesserung bzw. How-Tos in Form eines Screencasts sein.

Geld verdienen?

Mein E-Book ist kostenlos und soll es vorerst auch bleiben. Gerade aber im englischsprachigen Raum ist es üblich „Reports“ oder E-Books zu verkaufen.

Einen interessanten Weg hat bereits erwähnter Gerrit van Aaken gewählt: Er hat über startnext.de mehr als 7.500 Euro für sein Fachbuchprojekt zum Thema Webtypografie eingesammelt. Weitere Infos einschl. Video gibt es hier.

Ziel Bekanntheit steigern/Kunden gewinnen

Für mich war das Ziel, die Bekanntheit zu steigern. Das ist mir gelungen. Ich werde darauf angesprochen, Leute leiten die Links weiter, bloggen darüber usw. Als Akquise-Instrument habe ich es noch nicht aktiv eingesetzt, d. h. Kontakte angerufen und gefragt, ob sie an dem E-Book interessiert sind und anschließend in einem Follow-Up-Call beispielsweise einen Termin vereinbart. Aber es ist definitiv leichter, einen Fuß in die Tür zu bekommen – schließlich tut man den Leuten etwas Gutes. ;-)

Worauf sollte man achten/Tipps/Empfehlungen:

1. Perfektionismus-Falle:

Es hat sieben Monate gedauert, bis ich Version 1 von „Der Arme Poet“ veröffentlicht habe. Immer gab es Dinge, die noch nicht „perfekt“ waren. Meine Empfehlung ist daher, sich eine Deadline zu setzen und es dann zu veröffentlichen – natürlich designt und Korrektur gelesen. Selbst wenn man das Gefühl hat, es fehlt noch etwas, einfach online stellen – man kann es immer noch updaten.

2. Es kostet Zeit:

Erstens das Buch zu schreiben und zweitens es ggf. regelmäßig zu updaten. Mit ein paar Stunden ist es leider nicht getan. Es ist natürlich abhängig, wie umfangreich das Ganze wird, aber eine Seite DIN-A4 wird kaum Leute vom Hocker reißen. Die Autoren von „The Wealthy Freelancer“ empfehlen 10-15 Seiten, was ich als guten Richtwert halte. „Der Arme Poet“ hatte ursprünglich 16 Seiten, jetzt sind es 54.

Zum Zeitaufwand bei Audios, Videos, Screencasts kann ich leider nichts sagen.

3. Promotion:

Eine Promotion über andere Blogs funktioniert sehr gut, vor allem wenn das Werk keinen werblichen Anstrich hat, sondern die Wissensvermittlung im Vordergrund steht. Ich wurde beispielsweise von Eva Ihnenfeldt gefragt, ob ich nicht zur Entstehungsgeschichte etwas schreiben wollte. Sie hatte es sich heruntergeladen und fand den Armen Poeten gut. Das hat zu weiteren zahlreichen Downloads geführt. Auch Oliver Gassner promotet das E-Book regelmäßig über Twitter. (Danke auch an dieser Stelle).

Es lohnt sich, Vorträge zu halten (z. B. auf Barcamps, auf Webmontagen) und am Ende darauf hinzuweisen. Sehr viele Leute nehmen das in Anspruch.

Was funktioniert schlecht bzw. gar nicht? Bei mir: E-Mail-Adressen generieren.

Ich habe es beim Update von „Der Arme Poet“ probiert, d. h. Download gegen E-Mail-Adresse, und die Ergebnisse waren ernüchternd. Englische bzw. US-amerikanische Bekannte kennen diese Schwierigkeiten nicht.

Eine „freiwillige“ Angabe einer E-Mail-Adresse, um etwa über Updates informiert zu werden, funktioniert besser. David Merman Scott schlägt vor: Bonus-Material gegen E-Mail-Adresse, d. h. Videos, Mp3s, Zusatzkapitel oder das komplette E-Book, wenn vorher nur Probekapitel.

Fazit:

Wer ein interessantes Thema hat (normalerweise nicht so schwer) und vor allem Zeit investieren kann und möchte, dem kann ich empfehlen, ein E-Book (oder welches Format zu einem passt) als Vertriebs- und Marketing-Tool in Erwägung zu ziehen. Es sorgt, wenn man auch etwas Zeit für die Promotion (Blogs, Vorträge etc.) einplant, für Aufmerksamkeit. Als Methode, um damit Geld zu verdienen bzw. E-Mail-Adressen zu generieren, ist es, zumindest bei überschaubarem Zeitaufwand, weniger geeignet – wobei dies natürlich nie auszuschließen ist (siehe Beispiel Gerrit van Aaken).

Hier noch einmal kurz die Vor- und Nachteile:

Vorteile:
  • Es steigert definitiv den Bekanntheitsgrad und hilft, sich als Experte zu etablieren. In meinem Fall sprechen mich Leute mittlerweile darauf an.
  • Es kann als Akquise-Instrument genutzt werden, z. B. um potenzielle Kunden anzurufen. Macht die (Kalt)akquise erheblich einfacher.
Nachteile:
  • Es kostet Zeit.
  • Es sollte möglichst aktuell sein, d. h. Zeit für Updates einplanen.
  • Expertenstatus: Das E-Book allein macht einen nicht zum Experten, d. h. auch Zeit für Vorträge, Fachartikel, o. Ä. einplanen.

Wem der Artikel noch nicht lang genug war, hier noch eine Link-Empfehlung:

Neben „The Wealthy Freelancer“ hat mich auch David Meerman Scotts E-Book „The New Rules of Marketing and PR“ sehr inspiriert. Es ist kostenlos, keine E-Mail erforderlich.

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