Zielerreichung - Videofilm-Realität, nichts als Fakten


Videofilm-Realität, so bezeichnet Michael Neill seine Vorgehensweise beim Thema Zielerreichung. Entscheidend ist, was man selbst und andere sehen könnten, wenn man einen Film drehen würde. Was dagegen hinter der Kamera abläuft, etwa unsere Gedanken, unsere Überzeugungen, der Grad des Selbstbewusstseins oder die Stimmung, hat im "Drehbuch" keinen Platz. Was ist dann entscheidend?

Ich hatte bereits über Michael Neills Programm "Creating The Impossible" geschrieben. Für besagten "Film" sind drei Fragen von Bedeutung:
  1. Was ist das Ziel / Wo willst du hin? Dieses Ziel muss so klar formuliert sein, dass ein anderer ein genaues Bild davon hat.
  2. Wo stehst du gerade in Bezug auf die Zielerreichung? / Was hast du alles schon gemacht?
  3. Was ist der nächste Schritt? Nicht der übernächste. Man muss auch nicht alle Schritte kennen, es reicht der nächste.

1. Ziel genau definieren


Der erste Knackpunkt ist das Ziel. Oftmals ist das Ziel nicht klar formuliert: "Ich möchte abnehmen." Das alleine ist nicht klar. Oder: "Ich möchte mehr Umsatz machen." Wie viel mehr, bis wann? Es ist wie bei einem Navi. Wenn man nach Köln zum MediaPark möchte, dann sollte man das so ins Navi eingeben, nicht nur Köln oder ich möchte ins Rheinland.

Also: Kannst du in möglichst einem Satz formulieren, wie das Endergebnis aussieht, was du bis wann erreichen möchtest? Beispielsweise: Ich möchte bis zum 03.04.2015 15.000 Euro Umsatz machen. Ich möchte bis zum 03.04.2015 zehn Kilo abnehmen.

2. Wo stehst du? Ja, aber ...

Michael gibt ein ziemlich gutes Beispiel, wie viele Leute auf die Frage antworten:
"Oh, I am doing terribly. I had a cheesecake yesterday and I... I tried so hard and I'd been here before and every time I think I lose a little weight, I lost some weight but I didn't lose anywhere near enough weight because I want to lose this much weight and only lost that much weight this week. And I don't think I'm gonna do it. Yesterday I, before I ate the cheesecake, I thought I was doing really well, but... So, in reality I am just floundering."
Das ist natürlich auf die Spitze getrieben. Vielleicht nicht öffentlich, aber innerlich läuft genau so ein Dialog ab. Es veranschaulicht auch gut, warum das, was hinter der Kamera (aka im Kopf) abläuft, nicht hilfreich ist.

Wichtig sind die Fakten: Wie viel hast du abgenommen? Wie viel musst du noch abnehmen? Alles andere bremst einen nur aus, zieht runter.

Michael Neill gibt ein anderes Beispiel, wie die Videofilm-Realität für das Ziel: "Ich will 50.000 Dollar innerhalb von 12 Wochen verdienen" aussehen könnte.
"I've made 1,300 Dollars so far and I've sold everything that is in my garage that I don't need to function. And at the moment I don't know what my next move is and the gap is 48,700 Dollars."
Ganz einfach. Man muss den nächsten Schritt nicht wissen, es geht darum, zunächst die Fakten zu benennen.

Als Tipp, um einen vollständigen Videofilm zu drehen, empfiehlt Michael, eine Done-Liste zu führen. Alles, was man bislang unternommen hat, wird darin aufgelistet, egal wie klein und unbedeutend. Das hilft enorm, bei den Fakten zu bleiben.

Also: Was ist das Ziel, wo stehst du und was ist der nächste Schritt?

Aber was ist, wenn man das Gefühl hat festzustecken? Wenn man einfach nicht weiß, was der nächste Schritt ist und tage-, wochen- oder gar jahrelang bei einem Projekt nicht vorwärts kommt, etwa eine veritable Schreibblockade entwickelt hat? Einfach mehr Gelassenheit, denn manchmal sehen wir das Naheliegende nicht, weil wir schon drei Schritte weiter denken.

Michael Neill erzählt in diesem Zusammenhang häufig die Geschichte, wie George Pransky einem Autor geholfen hat, der seit sieben Jahren kein Buch mehr veröffentlicht hat. Er fragte ihn: "Warum ist das ein Problem?" Michael war etwas verstört, denn jeder konnte doch sehen, dass das eines sei. Aber George Pransky stellte einfach nüchtern sachlich fest: "Es zeigt doch letztlich nur, dass wir Menschen unheimlich schlecht darin sind, abzuschätzen, wie lange etwas dauert." Darauf angesprochen sagte George Pransky:
"He was so certain of how much of a problem it was, how long it should take and it occurred to me that he really didn't know what he was talking about [...] he assumed something was wrong based on his own thoughts. But he was so rigid about it, that I thought asking a question would at least get him to step back and reflect on it."
Es half. Kurz darauf schickte er Michael ein paar Kapitel seines Manuskripts, die er nach dem Workshop geschrieben hatte.
In diesem Sinne, viel Spaß beim Zielerreichen!


Fotos: Sylwia Bartyzel auf unsplash und unsplash (Lizenz)


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