30-Tage-Challenge oder die Macht der Gewohnheit

Sich auf kleine Änderungen konzentrieren. Auf eine. 30 Tage lang. Dies ist nachhaltiger als 30 Dinge an einem Tag ändern zu wollen. Sagt die Wissenschaft. Und es ist meine Erfahrung nach zwei solcher "Challenges".

Bald ist wieder Neujahr. Ein guter Zeitpunkt, das Leben radikal zu ändern. Abnehmen, mehr Sport treiben, Rauchen aufhören, sich gesünder ernähren – you name it. Und dies am besten gleichzeitig. Funktioniert nicht. Besser ist es, sich eine kleine Änderung vorzunehmen und dies 21 oder 30 Tage lang (hierzu gibt es unterschiedliche Meinungen). So lange dauert es, bis Änderungen zur Gewohnheit werden, egal, ob im Sport oder im Vertrieb/Marketing.

Willenstärke – eine Wissenschaft für sich


Ich bin jüngst auf ein Buch gestoßen, Willpower: Rediscovering the Greatest Human Strength, das sich mit diesem Thema befasst: Gewohnheiten ändern. Ein Fazit ist: Fehlende Willenstärke oder mangelndes Durchhaltevermögen lässt sich nicht zwangsläufig auf fehlende Charakterstärke zurückführen. Im Interview mit NPR erklärt der Autor Roy Baumeister:
"[...] you only have one stock of willpower, and every time you try to change yourself, you're using some of that. So when you make a bunch of resolutions all at once, each one you try to do is to detracting from your ability to do all the others. So, you know, it's a good idea. I totally believe in making oneself a better person and so on. But do the things one at a time rather than all at once."

Zwölf Monate ohne


Ein zweiter Artikel, der mich in dem Zusammenhang inspiriert hat, stammt von Leo Babauta. In A Year of Living Without listet er auf, worauf er jeweils einen Monat lang verzichtet. Im Juli war es Kaffee, im Oktober 2013 plant er eine Zucker-Abstinenz.

Im August beschloss ich eine Cola-Auszeit. Mein Konsum war nicht besorgniserregend, ein Glas pro Tag. Die Entzugserscheinungen, die ich zuvor bei anderen beobachten konnte, wenn sie dieses Getränk nicht bekamen, machten mich jedoch nachdenklich. Im September verzichtete ich dann 30 Tage lang auf Nachrichten, Ausnahme Ergebnisse der Landtags- und Bundestagswahl. Hintergrund hier: Ich las zunehmend die zynischen Leserkommentare, nicht mehr die Artikel selbst. Dann kann ich es für 30 Tage sein lassen und mir den Wahlkampf-Nachrichtenwahnsinn ersparen.

Was hat das mit Vertrieb & Marketing zu tun?


Was hat Cola- und News-Verzicht mit Vertrieb & Marketing zu tun. Viel. Vertrieb & Marketing sind letztlich nichts anderes als Gewohnheiten. Und das 01.Januar-ich-will-alles-anders-machen-Syndrom beobachte ich oft – auch bei mir.

Nach monatelangem Schleifenlassen beschließen viele, dass alles besser werden muss. Häufig während oder nach einer langen Durststrecke. Dann muss die Webseite redesignt werden, der Blog wieder regelmäßig befüllt, auf Facebook und Twitter endlich mehr gemacht werden. Und alles am besten gleichzeitig. Ich habe niemanden kennengelernt, bei dem dieses Zwischenhoch länger als zwei Wochen anhielt. Niemanden.

Der Grund: Es sind zu viele Dinge auf einmal. Besser ist, sich kleine Veränderungen vorzunehmen. Also jeden (Arbeits)Tag eine Mail an einen Kunden zu schreiben, einen Tweet oder Facebook-Post. Das ist selbst bei ADHS und für die an Aufschieberitis unheilbar erkrankten Menschen machbar. Nur: Für viele klingt zu einfach, zu simpel.

Zu einfach, zu simpel


Aber auch hier die Erfahrung: Die größten Erfolge sehe ich bei den Kunden, die nur eine kleine Sache anpacken. Die nicht zu viel auf einmal verändern. Statt Newsletter, Facebook-Page, Webinare & Co. anzupacken, verpflichten sie sich, jeden Tag eine E-Mail zu schreiben und bei früheren Kunden nachzuhaken. Kümmern sich im nächsten Monat nur um eine Anzeige. Mehr nicht. Um erneut Roy Baumeister zu zitieren:
"[...] if losing weight is difficult, and, you know, that's the most challenging thing, don't make that the first thing you do. Set a more realistic goal to, you know, make your bed every day or stop swearing in front of the children or I don't know what. You know, and then when you've made those changes and those are successful, then you can move on perhaps to a more challenging one."

Mission accomplished


Mein Cola-Konsum hat sich drastisch reduziert. Es schmeckt mir nicht mehr. Ob die News-Diät anhält, schwer abzuschätzen, aber ich bezweifle, dass ich viel verpasst habe. Stattdessen habe ich ausführlich die Posts anderer Ironblogger gelesen, Podcasts gehört und mehr Zeit auf Kicker verbracht. 30-Tage-Ziele für demnächst: 30 km pro Tag radeln und jeden Tag 750 Wörter schreiben. Ich werde ausprobieren, ob zwei Ziele gleichzeitig in unterschiedlichen "Lebensbereichen" funktionieren.
Weitere Dinge, die ich für später vorhabe:

  • Jeden Tag ein Tweet (wer mich kennt, weiß, wie schwer mir das fallen wird).
  • Ein Blogpost pro Tag.

Klingt alles nicht dramatisch, spektakulär, aber wer sagt, dass es das braucht?

Hier noch ein weiterer Podcast mit dem Autor:

The Art of Manliness Podcast Episode #32: Is There Anything Good About Men with Dr. Roy Baumeister (Part I)
The Art of Manliness Podcast Episode #33: Interview with Dr. Roy Baumeister Part II

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